Brüssel mit Kindern: Citytrip zum Comicstrip

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Brüssel mit Kindern zu bereisen ist kein Zuckerschlecken. Die belgische Hauptstadt ist auf das internationale Politbusiness ausgerichtet – nicht auf Kinder. Dennoch, ein City-Trip nach Brüssel ist sehr lohnend, wenn man nicht den „Hauptattraktionen“ aus den Standardreiseführern hinterherrennt. Wie kämpft man sich mit Kindern durch diesen Moloch? Am besten auf den Spuren von Tim und Struppi, Lucky Luke und den Schlümpfen. Und wenn dabei beim Geocaching noch ein Schätzchen auftaucht, um so besser.

Die Klassiker

Also: Auf unserem Rundweg durch Brüssel mit Kindern werden Manequin Pis, Grand Place, Atomium und Mini-Europa schnell mit einigen Spiegelstrichen abgehakt, dann geht es zu den wahren (Kinder)Sehenswürdigkeiten.

  • Atomium: Eine Ausstellung zum Atomzeitalter, zur Weltausstellung 1958 erbaut. Dieses Denkmal und Wahrzeichen Brüssels ist – wenn überhaupt – etwas für Erwachsene. Man kann die überzogene Atom-Utopie der damaligen Zeit noch einmal mit der eigenen kindlich-jugendlichen Erinnerung abgleichen. Na, dämmert`s? Atombunker im Garten, The Day After, in der Schule das Modell eines Atomkraftwerks.
  • Mini-Europa: Maquetten bekannter Sehenswürdigkeiten europäischer Länder. Für kleinere Kinder gibt es zu wenig bewegte Attraktionen, das wird schnell langatmig. Außerdem fehlt es im Sommer an Schatten. Gute Idee, hätte man aber viel besser machen können.
  • Maxi-Europa: Die Institutionen der EU sind im Berlaymont (Kommission) und Justus-Lipsius (Rat) an der Rue de la Loi untergebracht. Dahinter das monumentale Gebäude des Europäischen Parlaments. Die Gegend um den „Schuman“ ist schon sehenswert – allerdings nicht unbedingt für Kinder. Jugendliche sollten ins gut gelungene Parlamentarium gehen, um den Geist der Europäischen Integration aus der Flasche zu lassen.
  • Mannequin Pis: Eine unscheinbare, 61cm große Statue, die neben japanisch-amerikanisch-chinesischen Touristenmassen in einen Brunnen pinkelt. Außer den Brüsselern versteht niemand, was das soll. (P.S.: Habe nachgefragt, auch die Brüsseler haben keine Ahnung).
  • En passant kann man sich den sehr schönen Grand Place mit den Gildehäusern und dem Brüsseler Rathaus anschauen. Die Einkaufsstraße kann man sich sparen, in jeder deutschen Großstadt gibt es das Gleiche in Grün.

So, Kinder, ihr habt klasse durchgehalten, jetzt geht`s los! Hier kommt Brüssel mit Kindern.

Brüssel ist Welthauptstadt der Comics

Comics begegnet man in Brüssel mit Kindern auf Schritt und Tritt. Über 700 Cartoonisten leben in der belgischen Hauptstadt.  Lucky Luke, die Schlümpfe, der blonde Reporter mit Hund, Tim und Struppi (auf Französisch Tintin und Milou), alle kommen sie aus Brüssel bzw. Belgien. Hergé, der Erschaffer von Tim und Struppi, wurde als Georges Remi in Brüssel geboren (die Initialen RG ergeben französisch ausgesprochen Hergé).

Brüssel mit Kindern: In der belgischen Hauptstadt
Brüssel: mit Kindern auf dem Comicstrip

Riesige Cartoons verzieren einst nackte Brüsseler Fassaden

Urban Graffiti. Die Comichelden sind in teils überdimensionierter Größe (20-850m2) an Hauswänden verewigt. Am besten entdeckt man sie auf dem Parcours Bande Dessiné und besucht abschließend das Belgische Comic-Zentrum.

Will man Brüssel mit Kindern erobern, beginnt man am besten am Grand Place und beim Mannequen Pis. Hier wenden wir verschämt die Augen ab und halten lieber nach Tim und Struppi Ausschau. Von nun an folgen wir Miriam aus Hamburg, die alles so schön beschrieben hat, dass ich das hier nicht mehr muss. Spannend: Wer auf eigenen Pfaden wandelt, kommt in Gegenden Brüssels, in die sich der klassische Tourist nicht unbedingt verirrt. So sieht das wahre Leben aus!

Highlights

Hergés Tim und Struppi sind u.a. in der Rue de l’Étuve 33 verewigt. Asterix und Obelix kämpfen in der Rue de la Buanderie 15 unter Drogen gegen das Römische Imperium. Nur ein paar Hausnummer weiter (Nr. 33) zieht Lucky Luke weitaus schneller als sein Schatten.

Wenn ihr dann müde am Brüsseler Gare du Midi (Südbahnhof) angekommen seid, stellt ihr vielleicht erstaunt fest, dass ihr bei der Ankunft die Köpfe von Tim und Struppi in der Bahnhofshalle total übersehen habt. Also, liebe Kinder: Augen auf und suchen!

Im Comic-Zentrum

Unsere Stadtwanderung unter dem Thema Brüssel mit Kindern endet im Belgischen Comic-Zentrum. Das Jugendstilgebäude des belgischen Stararchitekten Victor Horta, das ehemalige Waucquez-Kaufhaus, ist eine Augenschmaus. Im Inneren befindet sich eine auf Comics spezialisierte Buchhandlung. In der ständigen Cartoon-Ausstellung gibt es natürlich einen Hergé-Raum (Tim und Struppi) und einen Peyo-Raum (Schlümpfe). Außerdem werden Wechselausstellungen geboten. Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung ist Technik und Herstellung von Comics. Na, Blut geleckt? 10-18-Jährige können immer samstags einen Zeichentrickmalkurs belegen (Anmeldung erforderlich).

Brüssel mit Kindern
Brüssel mit Kindern: Cartoonist werden

Mit Kindern ins Eisenbahnmuseum

Brüssel mit Kindern: Simulator
Eisenbahnmuseum Brüssel – Simulator

Die belgische Eisenbahngesellschaft hat am Bahnhof Schaerbeek ein Eisenbahnmuseum eingerichtet. Während man durch die Hallen schlendert, sieht man durch die großen Glasscheiben die Züge auf der Rennstrecke Antwerpen-Brüssel vorbeirauschen. Die Exponate reichen von den Anfängen der Eisenbahn bis zum Zeitalter der Hochgeschwindigkeitszüge, von der ersten belgischen Dampflok bis zum TGV. Dokumentiert werden die Funktionsweise von Gleisen und Loks, ebenso der Eisenbahnbau an sich. Auch die dunkle Seite der Geschichte, die Eisenbahn in den Weltkriegen, wird ausgeleuchtet. Der Höhepunkt für Kinder ist eindeutig der Thalys-Simulator. Man fährt über offene Strecken, passiert eine Baustelle und bringt den Zug in einem Bahnhof zum Halten.

Anschließend kann man im Shop allerlei zum Lesen oder auf alt gemachte Plakate erwerben. Im Bahnhof Schaerbeek bietet ein gutes Café-Restaurant belgische Küche an. Anfahrt am besten stilecht mit der Tram.

Geocaching in der grünen Lunge Brüssels

Wenn man in Brüssel mit Kindern länger unterwegs ist,  möchte man irgendwann die stickige Innenstadt verlassen. Wer sich bessere Luft gönnen möchte, besucht den Bois de la Cambre. Das zusammenhängende Waldgebiet zieht sich von den Stadtteilen Uccle und Watermael-Boitsfort über kilometerweit nach Süden. Am besten mit der Straßenbahn bis Cambre-Étoile und bei der Abbaye de la Cambre etwas ausspannen, oder gleich suchen. Alternativ auf einen Kaffee in das Café de la Presse in der Avenue Louise 493 (gleich bei der Tramhaltestelle; deutsche Tageszeitungen).

Brüssel mit Kindern: Geocaching
Brüssel mit Kindern: Geocaching-Fundorte

Witterung aufnehmen

Jetzt haben wir Kraft getankt für das Geocaching. Wir spazieren bis Legrand, dem Eingang zum Park. Suchend weiter bis zu einem leicht veralgten See. Eine kleine Fähre setzt zu einer Miniinsel über. Kindergartenkinder mögen das sehr – und es gibt ein Bonbon. Auf der Insel dann, natürlich – wir sind in Brüssel, der Stadt mit der höchsten Dichte an Michelin-Sternerestaurants (noch vor Paris) -: ein Restaurant.

Royality

Wenn ihr den letzten Satz entschachtelt habt (Germanisten bitte die Interpunktion prüfen und umgehend melden), könnt ihr Geocaches eintüten. Hinter den Seen ist der der Wald weitgehend naturbelassen, aber mit Rad- und Wanderwegen gut ausgebaut. Am besten erkundet ihr das Gebiet per pedes oder mit dem Mietrad. Man trifft im Bois viele Reiter. Im Wald sind einige Stiff-Upperlip-Clubs der belgischen Royals zu Themen wie Reiten (Hippodrome), Tennis (Royal Tennis Club) und natürlich Golf angesiedelt. Durchquert ihr den Park mit euren Kindern in stramm absolvierten 3,5h komplett, erreicht ihr im Süden eine schöne Domäne, im Westen das Königliche Afrikamuseum.

Gute Suche euch allen!


Brüssel mit Kindern hat noch mehr zu bieten:


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4 Gedanken zu „Brüssel mit Kindern: Citytrip zum Comicstrip

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