Streng geheim! Am Strand der ungarischen Armee in Balatonakarattya


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Da dürfte ich eigentlich nicht rein! Als deutscher Staatsbürger. Mit meinem belgischen Autokennzeichen schon gar nicht. Brüssel ist zwar NATO-Sitz, aber dass jemand Paranoia hat, heißt ja nicht, dass er nicht verfolgt wird, oder? Anyway, die Spuren des Sozialismus sind im Militärischen lebendiger denn je.

Eingeladen wurde ich von einem Freund, dessen Frau eine Cousine hat, deren Schwippschwager mit einer Nichte des Babysitters eines Generals befreundet ist – oder so ähnlich. Hinein darf also so ziemlich jeder mit Connections, es sei denn, auf seinem Pass wird ein Roque State wie die „Bundesrepublik Deutschland“ ausgewiesen. Meine Frau meinte am Eingang, ich solle mich großer Worte enthalten, des Akzentes wegen. Na ja, zum Glück meinte sich nicht der Grammatik wegen! Mit einem aspirierten JÓÓÓnapotkivánok auf den Lippen den Honvéd passiert und die riesige Anlage betreten. Hier findet jeder seine private Wiese, speziell am Yachthafen, in dem auch ein ungarisches Kriegsschiff im Nussschalenformat liegt und seit Jahrzehnten einsam auf einen Konteradmiral wartet.

Im Servicebereich das Übliche. Dazu riesige Schlangen. Klar, Wochenende und 35 Grad im August. Konnte natürlich niemand ahnen, dass da mehr kommen als sonst. Haben uns für typisch ungarisches Gyros entschieden, weil dort die Schlange kürzer war. Schlechte Entscheidung. Die Schlange war tot und gammelte vor sich hin. Eine Stunde bis zur Bestellung, danach 45 Minuten bis zur Essensausgabe. Pommes werden erst ins Fett gegeben, wenn die Bestellung da ist, nicht permanent, obwohl es doch nur ein Gericht gibt: Gyros mit Pommes. Die Köchin darauf angesprochen und komplettes Unverständnis geerntet. Wenig später fiel die Arme in Ohnmacht, was erklärt, weshalb die Bestellungsaufnahme direkt hinter uns geschlossen wurde. Der dahinterstehenden Schlange, die sich stetig re-formierte, wurde das allerdings nicht mitgeteilt. Kompanie: Augen zu – und durch! Viel besser das Café. In einem Komplex, den Armeearchitekten in der Glanzzeit des Kalten Krieges konzipiert haben müssen. Ist ja wieder modern! Neuer Ausdruck: Shabby chic. Ich muss gestehen: Mir hat es gefallen – und der Kaffee war ordentlich, keine Selbstverständlichkeit.

Der Strand ist abseits der Buden erstklassig, weil großzügig und ausgestattet mit zahlreichen Attraktionen. Dass die Organisation lausig ist, war zu erwarten, kennt man die Zustände bei der ungarischen Armee.

Also, wer denn eine Cousine hat, deren Schwippschwager …, der sollte sich eine Picknicktasche packen und den Blick auf Tihany und die Csopakabana genießen – und im Zweifel die Klappe halten.


 

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