Da gibt’s etwas auf die Ohren: Die Festivalsaison 2017


Balaton Sound, B-my-lake und Strand Festival, Fährenkonzerte, Jazz-Piknik, VeszprémFest und Veszprémer Straßenmusik – das ist nur eine kleine Auswahl aus einem wirklich gut sortierten Musikangebot am Balaton. Ich war auf Festivals, mit unterschiedlichem Spaß-und-Ärger-Faktor.

Zunächst zum Paloznaki Jazz Piknik (leicht getrübte Freude). Wirklich klasse Idee. Auf einer Wiese im poshen Paloznak die eigens mitgebrachten Kulinarien verarbeiten, dazu ein Gläschen Wein und entspannten Jazz im familienfreundlichen Ambiente. Alternativ kleinere Bühnen mit Nachwuchskünstlern und weniger bekannten Gesichtern. Dabei verteilt sich die Zuschauermenge auf das ganze Dorf. Zwischen Ortsmitte und Wiese wird per pedes gependelt – oder man nimmt die Rikscha. Da der weltbekannte ungarische Jazz-Gitarrist Ferenc Snétberger involviert ist (sein Nachwuchszentrum für Kinder mit schwierigem familiären Hintergrund befindet sich im nachbarlichen Felsöörs), darf man durchaus etwas erwarten.

Das Musikangebot ist breit, dreht sich in der Spitze aber etwas im Kreise. Wenn man denn Cool and the Gang (ja, schon wieder) als Jazzkapelle durchgehen lässt, ist die Darbietung der Dinosaurier vor allem eine perfekt inszenierte Show. Ob man diese Musikrichtung mag oder nicht, mit über zehn Musikern fehlerlos einen ausgedehnten Gig zu spielen und das Publikum immer wieder mitzunehmen, das verdient Respekt. Die Acid-Jazzer Incognito: ditto (schon wieder; viele Musiker). Im Abendprogramm könnte es schon etwas innovativer zugehen, aber das Pester Bobo-Publikum freut sich eben, den Schampus aus dem Glas statt dem Plastikbecher schlürfen und den Q7 direkt hinter der Bühne auf dem VIP-Parkplatz abstellen zu können – und sich dabei Altbewährtes zu Gehör führen zu dürfen. Insofern: Sommer, Sonne und leichte Kost am Abend, des basst scho!

Der Himmel trübt sich nur bei dem Organisatorischen etwas ein. Dass man eine Paycard lösen muss, ist bei großen Freiluftfestivals mittlerweile Standard. Dass diese beim Bezahlen dann aber zehn Prozent Trinkgeld einrechnet, ist – na ja – geschäftstüchtig. Mit einem Knopfdruck kann man das Trinkgeld zwischen Null und Mondpreis einbeamen. Zuerst wollte ich den armen Tropf am Grill auf Bodenhaftung stellen, fragte dann aber doch, wer das Trinkgeld denn bekomme. „Wir jedenfalls nicht“, war die diplomatische Antwort. Also, einige Münzen aus der Tasche über den Tresen geschoben und die schwarze Null eingeloggt. Das ist Ärgernis Nummer eins. Ärgernis zwei ist die lange Wartezeit an den „Gourmetbuden“. Und dann muss man für Getränke und Essen zweimal anstehen, weil Flüssiges und Festes nur räumlich getrennt angeboten werden. Nicht mal ein Wasser kann man an den Essensbuden kaufen. Das ist angesichts der Warteschlangen schlicht und einfach unprofessionell!

Mein Fazit fällt enthält trotz großem Amüsement deshalb kleine Wermutstropfen. Mein fünfjähriger Sohn ist eingeschlafen, mein dreijähriger war der Dancefloor-King. Also: Ein Stern Abzug wegen organisatorischer Inkompetenz und Watergate.

Weiter zum Strandfestival nach Zamárdi (groovy!). Im Gegensatz zum umstrittenen Balaton Sound-Festival zu Saisonbeginn an gleichem Ort ist das Strand-Festival dezenter. Geboten wird Pop und Rock vorwiegend ungarischer Herkunft. Die Bühnen befinden sich direkt am Strand, theoretisch könnte man das Programm aus dem Wasser verfolgen (mit guter Brille und dieses Jahr etwas bibbernd). Beeindruckend ist die Qualität des Essens an den zahlreichen Ständen. Das Publikum ist jünger als in Paloznak (deren Kinder). Die Organisation ist perfekt und es werden zahlreiche Sidekicks geboten. Auch funktioniert die Lebensrettung gut. Die Baywatchers haben dieses Jahr einen zwanzigjährigen aus den Fluten ziehen müssen.

Von den Musikern ist keiner baden gegangen.

Besonders gefallen haben mir Intim torna illegál (ja, richtig: Intimturnen illegal), die es vom ersten Song an geschafft haben, das Publikum zum Toben zu bringen, inklusive Massenhüpfen und Pogo tanzen. Zwar fehlt der alte Bassist (die Reinkarnation von Frank Zappa), wegen Dissonanzen mit den anderen Musikern ausgestiegen, aber auch der neue, der eher vom Punk herkommt, hat seine Sache wirklich gut gemacht. Mit dem neuen Bassisten sind Intim torna rockiger, schneller. Auf punkige Bass-Beats setzt Gründer/Sänger/Gitarrist Péter Dorogi funkige Akkorde, oft im Off-Beat-Modus. Mittlerweile getraut er sich sogar in das eine oder andere Solo hinein, ohne es dabei zu übertreiben. Gut so, Jungs, viel Erfolg beim Löcher-in-die Wanne-Bohren.

Auch Magashegyi Underground haben gegrooved, mit der schmetterlingshaften Ikone Biborka mitten in der Zuschauermasse. Mit ihren Armbewegungen und ihrem eigenartigen Tanzstil hat sie ein Alleinstellungsmerkmal vorzuweisen. Die Zuschauer kennen die Texte und singen mit, die Band ist super eingespielt und scheint Spaß am Spiel zu haben. So geht Live-Musik. Klasse!

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